Berlin, die größte Bierbrauerstadt der Welt

Die Bötzow-Brauerei

Der Prenzlauer Berg war noch vor 170 Jahren ein öder Landstrich vor den Toren der Stadt. Pioniere der Bebauung  wurden zahlreiche Brauereien, die sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts dort angesiedelt hatten. Und das kam so: Der aus Bayern stammende Leonard Hopf braute 1828 als erster in Berlin nach untergäriger, „bairischer“ Brauart. Bis dahin wurde in Berlin nur obergärig gebraut, sehr beliebt war das Berliner Weißbier. Aber das Untergärige schmeckte nicht nur frischer, es war auch alkoholhaltiger und sehr viel länger lagerfähig, von daher wurde es auch Lagerbier genannt.

Die Nachfrage stieg schnell an, doch war eine Umstellung der Produktion auf untergäriges Bier nicht so ohne weiteres möglich. Anders als beim Obergärigen benötigte man für den Gärprozess konstant kühle Temperaturen von 4-9° Celsius, die ganzjährig nur in eisgekühlten Kellern möglich waren. Tiefe Keller anzulegen war aber im Spreetal auf Grund des hohen Grundwasserspiegels nicht

Bötzowbrauerei Bierkutscher
Bierkutscher auf dem Brauereihof an der Prenzlauer Allee

Vergnügungsstätten vor den Toren der Stadt

Neben den Produktionsstätten errichteten die Brauereien auch Biergärten auf dem Barnim. Die unmittelbare Nähe zur Stadtgrenze sowie die gut besuchten Friedhöfe und Exerzierplätze sorgten dafür, dass die Brauereien bald ein beliebtes Ausflugsziel wurden.

Im Laufe der Zeit entstand eine hohe Dichte an Vergnügungsstätten die immer weiter ausgebaut wurden: Schießstände, Kegelbahnen, Orchesterlauben und sogar Freilichtbühnen und prächtige Saalbauten wurden gebaut.

Leichtes Amüsement war verlangt, der Berliner wollte sich unterhalten lassen. Konzerte, Operetten, Marionettenspiel und Boxkampfe - später auch Filmvorführungen - wurden geboten.

Bötzowbrauerei Firmenjubiläum 1939
Die Belegschaft zum Firmenjubiläum 1939

Der Ritterschlag kam aber im folgenden Jahr, als er zum Hoflieferanten ernannt wurde. Im selben Jahr stellte er auch einen Bauantrag für eine repräsentative Villa auf dem Fabrikgelände. Damals nicht unüblich, dass der Chef auf dem Gelände wohnte.

In den Zwanzigerjahren starb der Firmengründer, seine Nachfolger mussten den Familienbetrieb in eine Aktiengesellschaft umwandeln, kurzzeitig konnten sie ihn in der NS-Zeit nochmals zurückkaufen. Villa und Ausschankgebäude sind im Krieg zerstört worden, Hermann Bötzow, der eine große Nähe zum Regime hatte, wählte kurz vor Kriegsende den Freitod. 1948 wurde der Betrieb verstaatlicht und ein Jahr später stillgelegt. Die Produktionsanlagen wurden fast vollständig demontiert für einen Abtransport in die Sowjetunion. Dort kamen sie aber nie an, tatsächlich wurden sie in den Fünfzigerjahren Berliner Brauereien angeboten.


Literaturempfehlungen

Die Brauerei Königstadt. Industriegeschichte in Berlin-Prenzlauer Berg, Martin Albrecht; Stefan Klinkenberg, Berlin, 2010

 

Hopfen und Malz. Geschichte und Perspektiven der Brauereistandorte im Berliner Nordosten, Hrsg. Museum Pankow, Berlin, 2005

möglich, so dass man auf die Ränder des Teltow und des Barnim auswich. Im heutigen Prenzlauer Berg war das der so genannte Windmühlenberg zwischen dem Schönhauser- und dem Prenzlauer Tor.

Untergäriges überflügelt Weißbier

Ab den 1860er Jahren wurden viele Lagerbierbrauereien in Aktiengesellschaften umgewandelt, während die Weißbierbrauereien bis auf wenige Ausnahmen kleine Familienbetriebe blieben. Mit dem hinzugewonnenen Kapital wurden große Industriekomplexe errichtet, an denen die einzelnen Produktionsschritte konzentriert wurden.

In den 1870er Jahren hatte die untergärige Produktionsmenge die des Weißbieres überflügelt, die Einführung der Kältetechnik durch die Firma Linde 1883 sicherte einen ganzjährigen Braubetrieb und vergrößerte den Abstand weiter. Berlin avancierte in den nächsten Jahrzehnten zur größten Brauereistadt der Welt.

Saalbau Bötzowbrauerei
Der Saalbau der Bötzow-Brauerei, laut Bildüberschrift immer noch auf Windmühlen- noch nicht auf Prenzlauer Berg

Die Bötzows

Julius Bötzow, Spross eine Familie mit riesigem Grundbesitz außerhalb Berlins, richtete 1864 auf der Alten Schönhauser Straße sein Brauhaus ein, Lagerkeller und Ausschank baute auf dem Windmühlenberg an der heutigen Prenzlauer Allee. Das Etablissement lief so gut, dass er es immer weiter ausbauen ließ, bald konnte er bis zu 6000 Gäste gleichzeitig auf mehreren Terrassen und in einem prächtigen Saalbau begrüßen.

Das Geschäft lief gut und das Brauereigelände war schnell zu klein, Bötzow zog auch mit der Produktion auf den Windmühlenberg, der Braubetrieb begann dort im März 1885.


Gewinnspiel


Wir verlosen einen geführten Besuch für eine Person mit Begleitung in einer ehemaligen Brauerei am Prenzlauer Berg.

 

Ihr könnt Euch aussuchen, ob Ihr an einer Führung in der Schultheiss-Brauerei (Kulturbrauerei) oder der Königstadt-Brauerei teilnehmen möchtet. Die Führung übernimmt Dr. Martin Albrecht, der Experte für die Brauereien auf dem Prenzlauer Berg und Autor zahlreicher Veröffentlichungen zum Thema.

 

Wer mitmachen will, wie immer kurze Mail an BolleBerliner@gmail.de mit dem Betreff „Brauereibesuch“. Verlosung ist dann am 13.4., der Tag des Braubeginns auf Bötzow vor 151 Jahren.

 

Viel Glück!

 

Für alle die kein Glück bei der Verlosung hatten, ist trotzdem eine Teilnahme möglich:

 

Königstadt-Brauerei am 2. Mai, 6. Juni und 4. Juli um 14 Uhr

Treffpunkt Schönhauser Allee Ecke Saarbrücker Straße (10,- €/erm. 8,- €)

 

Kulturbrauerei am 2. Mai, 6. Juni und 4. Juli um 16.15 Uhr

Treffpunkt an der Touristeninformation auf dem Gelände, Eingang Sredzkistraße (7,50 €/erm. 6,- €)

 

Kurze Anmeldung bei Herrn Albrecht drmartinalbrecht@web.de wäre nett!

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